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Wanderwoche in den Piccole Dolomiti

Vizentiner Alpen mit Carega-Gruppe, Pasubio und Sengio alto

01.12.2025

Eine Woche mit anspruchsvollen Wegen, einsamen Pfaden und vielen Erinnerungen an den 1. Weltkrieg

Letzte Septembertage - in München herrschte seit Tagen  Regenwetter-  wir wünschten uns sonnige Wandertage! 

Mal sehen - Wünsche gehen leider nicht immer in Erfüllung. 

So starteten wir am Sonntag, 28.9., zu zehnt Richtung Süden. Nach dem Brenner kam langsam die Sonne raus, unsere Stimmung stieg. Am Passo delle Fugazze gab's einen Cafe und den "permesso" für die gesperrte Straße. Am Rifugio Campogrosso wurden wir herzlich willkommen geheißen und erhielten sehr komfortable Zimmer. Wir blieben für die Woche die einzigen gemeldeten Übernachtungsgäste.

Nachmittags bestiegen wir noch den Hüttenberg Sisilla mit vielen Stellungen aus dem 1. Weltkrieg. Die Tagesausflügler verzogen sich und wir genossen abends Vorzugsbehandlung.

Leider hatte es in der Früh Nebel, der sich nur langsam auflöste, und so war die Sicht beim Aufstieg zum Monte Cornetto eingeschränkt. Das ganze Bergmassiv des Sengio alto ist von Kriegswegen durchzogen, die meist abenteuerlich in den Fels gebaut wurden. Wir umrundeten den ganzen Berg, durch Tunnels und über Brücken und schmale Trittstufen, auch mit Hilfe von Ketten. Der Nebel begleitete uns leider immer wieder: wenn es aufriß, ergaben sich schöne Tiefblicke bei strahlendem Himmel

Am Dienstag war leider wieder Nebel Wetter und so gingen wir die Straße der 52 Tunnels auf den Monte Pasubio. Diese wurde in einem Jahr -1917 - auf der italienischen Seite der Front in den Fels gebaut und gesprengt und diente als von österreichischer Seite nicht einsehbarer Nachschubweg zum Kriegsdorf am Pasubio. Bei Nebel ist dieser Weg ein besonderes Erlebnis- die Taschenlampen erzeugen in den gewundenen Tunnels teils gespenstische Atmosphäre. Auch hier zeigte sich oben dann die Sonne und wir sahen auf unsere gestrige Bergkette hinüber. Mittags kehrten wir im Rifugio Papa ein, auch hier wirkt sich der Wassermangel kurios aus: angeblich umweltfreundliches Einweggeschirr, um Wasser zu sparen. Als Rückweg nahmen wir die Strada degli eroi, eine weitere Nachschubstraße, die uns zum Ausgangspunkt Passo Xomo zurückbrachte.

Die schlechte Wettervorhersage für Mittwoch führte uns ein Stückchen südlicher. Zunächst vom Ausgangspunkt des geschlossenen Rif. Battisti steil in die Passo Tre Croci, wo wir einen schönen Ausblick auf die sonnige Hochebene der 13 deutschen zimbrischen Gemeinden hatten. Wegen des kalten Windes machten wir bald eine sonnige Mittagspause am Passo Plische bevor uns der Nebel wieder einholte und wir am Gipfel des Monte Plische nur uns selber sahen.

Eigentlich wollten wir einen anderen Weg zurück zum Rif. Battisti nehmen. Der markierte Weg vom Rif Scalorbi brach jedoch so steil über ca. 30 m ab, dass wir umdrehten und den gleichen zurück nahmen. Es ist wirklich eine wild zerklüftete Felsregion mit dazwischen üppigem Bewuchs. Zum Schluss stießen wir auf eine riesige Schafherde mit vielen weißen Eseln. Der Schäfer erklärte, dass er in dieser Gegend noch nie auswärtige Wanderer gesehen hatte.

Der Donnerstag zeigte sich endlich als strahlender Tag.

Vom Passo Campogrosso nahmen wir den E5  zur Bochetta dei Fondi und weiter zum Monte Carega, dem höchsten Gipfel der Piccole Dolomiti mit 2259 m. Wegen des schönen Wetters waren heute auch einige Wanderer unterwegs im Gegensatz zu den vergangenen Tagen.

Unser Weg bot keine Schwierigkeiten, doch wenn man in die steilen Schluchten hineinschaute, wollte man sich nicht vorstellen wie vor hundert Jahren hier Krieg war.

Am Rückweg kreiste immer wieder ein roter Hubschrauber über uns und weiter unten kamen uns Suchmannschaften mit Hunden entgegen.

Sie suchten einen Wanderer, der seit dem Tag davor vermisst war. Am Passo Campogrosso herrschte ein riesiger Auftrieb an Feuerwehr, Polizei und Bergrettungsmanschaften bis in die Nacht hinein, die Frost brachte, und auch am nächsten Tag. Der Wanderer konnte nicht gefunden werden und war auch noch Wochen später vermisst. 

Am Freitag machten wir noch eine kleine Runde zum Ponte tibetano, einer Hängebrücke, die über der vor ca. 50 Jahren abgebrochenen Strasse errichtet wurde. Die Straße ist seit dem Unglück, bei dem ein Bus in die Schlucht stürzte, gesperrt. 

Danach ging`s wieder nach Hause ohne Stau am Brenner.