Leider konnte die Tour nicht wie geplant von Ernst und Franz geleitet werden, da sich Ernst am Vorabend der Anreise 3 Rippen gebrochen hatte. Somit wurde das geplante Konzept vorläufig erst mal durchkreuzt. Unser Wandergebiet, das Villgratental liegt in Osttirol und von dort nördlich von Sillian in einem Tal mit steilen Berghängen. Das "Bergsteigerdorf" Innervillgraten war unser Standort und ist umgeben von sehr vielen alten Bergbauernhöfen, die kühn von den Bergen winken.
Die Anreise am Sonntag verlief streßfrei und nach Zimmerbezug ging es auch schon auf eine erste Tour nach Kalkstein. Auf dem Wanderweg 6 wanderten wir im Auf und Ab durch schöne Wälder und Wiesen. In Kalkstein liegt in einem kleinen Friedhof ein "österreichischer Jennerwein" begraben, der 1982 bei der Jagd mit 8 Schuß von hinten erschossen wurde. Danach ging es in die gemütliche Badl-Alm, wo man es sich nach der Einlauftour gut gehen lies und alsdann mit dem Bus zurück fuhr, um das sehr gute Abendmenü in der Pension Raiffeisen, unserem Basislager, zu genießen und im Anschuß das EM-Spiel D/CH anzuschauen (1:1).
Für Montag war das Wetter trocken angesagt und so machten wir gleich eine Tour auf das Marchkinkele, das auf dem italienisch/österreichischen Grenzkamm liegt. Gleich unterhalb des Gipfelkreuzes liegt die Marchhütte auf Südtiroler Gebiet. Wir starteten bei Sonnenschein und unser Weg führte zuerst auf Schotterwegen an blühenden Wiesen und uralten Holzhäusern bergan. Nach ca. 250 hm empfingen uns die Alpenrosen, die dann das Erscheinungsbild dominierten. Sie blühten mit voller Pracht und bald darauf kamen die Trollblumen und weitere zig blühende Bergblumen dazu. Nach ca. 700 hm (2250m) lies die Blumenpracht langsam nach und wurde von jungen Lerchen, Moosen und Flechten abgelöst, bis auch diese seltener wurden. Ab 2400 m war nur noch eine beeindruckende Felslandschaft vorhanden und bald darauf auch unser Ziel, der Marchinkele auf 2545 m erreicht. Es pfiff ein kalter Wind, der uns den Blick rüber zu den Sextner Dolomiten, Drei Zinnen usw. nicht zu lange im Freien genießen lies. Es ging in die Marchhütte, die aus einem alten Militärposten umgebaut wurde und nun als "Schutzhütte" fungiert. Aus großen Panoramafenstern hat man von hier eine wunderschöne Aussicht auf die faszinierende Berglandschaft. Zurück ging es leider den gleichen Weg und nach 900 hm und 10 km kamen wir wieder am Ausgangsort an.
Dienstag waren die Wetterverhältnisse durchwachsen und wir konnten, lt. Wetterapp, nur ein Zeitfenster von ca. 5 Stunden nutzen, um eine sehr schöne Höhenwanderung in das Winkeltal zur "Reiterstubn" zu machen. Wir starteten direkt von unserem Quartier und gingen teils auf verwegenen Wegen, die uns nach 4 Stunden dort ankommen liesen. Der Weg war teils nicht in den Karten vermerkt, aber vor Ort mit Wanderschildern markiert. Immer wieder hatte man tiefe Blicke ins Tal und ringsherum war der Wald braun vom Borkenkäfer. Riesige Mengen an Bäumen wurden sein Opfer und mußten gefällt werden, was kahle Berghänge zurück lies. Kurz vor der Reiterstubn gab es einen kräftigen Schauer, der jedoch nicht lange dauerte und bei unserer Einkehr sich in Sonnenschein wandelte, so dass wir es uns auf der Sonnenterrasse gemütlich machen konnten. Der Bus brachte uns dann wieder zurück nach Innervillgraten. Somit konnten wir an diesem Tag trotz allem 530 hm und 12 km in der Natur verbringen.
Am Mittwoch war wieder Wechselwetter angesagt, so dass sich 2 Gruppen entwickelten. Eine Gruppe fuhr nach Lienz und die andere machte eine Wanderung an der Unterstaller Alm. Auch war wieder ein Zeitfenster von ca. 4 Stunden regenfrei vorher gesagt. Wir starteten vom Parkplatz der Unterstalleralm und gingen hinauf zu einem großen Wasserfall und weiter hinauf bis zur Abzweigung zur Oberstalleralm. Wir nahmen diesen Weg und gingen über Wiesenhänge, die übersät waren mit seltenen Blumen die uns immer wieder zum fotografieren animierten, so dass sich die Tour noch länger zog. Auf der Oberstalleralm, 1838 m, angekommen, bewunderten wir das Ensemble von ca. 15 uralten Häusern, die die Zeit gegerbt hatte. Hier verschmelzen sogar die Kühe mit den Farben der Häuser. Weiter ging es hinauf Richtung Schwarzsee, wo wiederum eine geballte Blumenpracht unsere Wege kreuzten. Ein etwas größerer Wildbach mußte gequert werden und auf 2000 m Höhe ging es dann wieder bergab Richtung Unterstalleralm, wo wir gerade noch rechtzeitig vor einem kräftigen Regenschauer nach 450 hm ankamen und es uns bei Getränken und Kuchen es gemütlich machten. Als wir wieder nach draußen gingen schien schon wieder die Sonne und es ging zurück zum Quartier, wo für den ein oder anderen eine Sauna und super Essen wartete.
Donnerstag war trocken angesagt und wir nahmen den Grabenstein, 2665 m, mit 870 hm und 8 km in Angriff. Die Sonne schien beim Aufstieg aus dem Winkeltal, das links und rechts mit Almrausch, Farnen und Lerchen gesäumt war. Anfangs schlängelte sich der Weg sehr steil in eine erste Hochebene, wo wir eine wunderschöne Bergkulisse, gekrönt won der mächtigen Hochgrabe, 2951 m, aber nicht unser Ziel, vor uns hatten. Weiter ging es steil in die nächste Ebene, um dann die letzten 200 hm, teils von kleinen Schneefeldern verziert, zum Gipfel zu nehmen. Ein schöner Rundumblick belohnte die Anstrengung, auch wenn uns der Fernblick zum Großklockner und zum Venediger versagt blieb. Danach ging es auf dem selben Weg zurück und zur Einkehr in die Volkzeiner Hütte, wo wir nochmals einen schönen Blick auf den eben bestiegenen Grabenstein hatten.
Zurück im Basislager ging es nach dem Abendessen für einige noch auf einen "Absacker" in den Gannerhof, wo wir die Gläser auf Ernst mit den besten Genesungswünschen schickten (siehe letztes Bild, dass Dir Ernst gewidmet ist).
Freitag, unser Heimfahrt-Tag. Heute stand eine einfachere Bergtour auf dem Programm, die Umrundung des Grumauerberges und des Glöckenkinkele von der Kamelisenalm aus. Tourdaten: 10km, 780 Hm. Mit den Autos fuhren wir endlose Almstraßen empor zur Kamelisenalm die auf 1976m Höhe liegt. Das letzte Stück der unbefestigten Straße ist Privatweg (vorher erkundigen). Sehr wenige Parkplätze gibt es nur in der letzte Kehre der Straße, die aber schon großenteils durch Urlauberautos belegt waren. Mit viel rangieren quetschten wir unsere Autos noch an den Wegrand.
Die Kamelisenalm ist eine Ansammlung von schönen hölzernen Almhütten und einer kleinen Kapelle. Von dort ging es neben dem Bach der vom Roten Kinkele herunterkam aufwärts durch Hänge voll mit Alpenrosen. Weiter oben auf 2560m erreichten wir einen Grat (genannt Öwelenke), der der höchsten Punkt unserer heutigen Tour war, mit dem Rotem Kinkele (2763m) zur Linken und dem Grumauerberg (2670m) zur Rechten.
Von dort ging es weiter zu zwei Seen (Remasseen) wo wir an einer kl. Almhütte Rast machten. Gegenüber an einem Schneefeld, beobachtenen wir Schafe, die Schnee fraßen (wahrscheinlich aber haben sie Mineralien von der Oberfläche abgeschleckt).
Die Tour ging weiter auf dem Steig Nr.20 um dem Grumauerberg herum. Der kleine Steig windet sich durch Schrofen-Steilhänge um den Berg herum. Die Sicht ins Tal und auf die umliegenden Berge ist grandios, leider kann man wenig schauen, da man höllisch aufpassen muss auf dem teilweise kaum sichtbaren Steig und dem steilen Abgrund zur Linken. Es geht endlos weiter bis wir auf einen breiten Wirtschaftsweg stoßen, der in der Karte noch nicht vermerkt war. Dort kommen wir schnell voran, bis wir wieder auf den markierten Wanderweg stoßen. Nach ca. 5h kommen wir wieder bei unseren Autos heraus.
Auf der Terrasse des Raiffeisen Gasthofes essen und trinken wir noch etwas und verabschieden uns dann zur Heimfahrt.
Eine schöne, wettermäßig durchwachsene Wanderwoche in den steilen Villgratner Bergen war zu Ende.
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