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DiMiDo Klausenberg 1548 m

11.06.2026

Eine "abwechslungsreiche" Tour - in jeder Beziehung

Tourenleitung: Karin Reußwig

Teilnehmer: Bahram, Brigitte, Sigrid, Mirjam, Renate, Reinhard

Bilder und Text: Reinhard

Disclaimer: nicht aus Geltungssucht des Verfassers, sondern auf ausdrücklichen Wunsch und Initiative der Tourenleiterin ergeht der folgende Artikel - im alten Ägypten war der Schreiber ein gut bezahlter (hier nicht zutreffend) Beruf, das hatte aber andere Gründe ...

Jedenfalls: "Von der Ems bis an die Neiße, überall ist das Wetter sch...ön" (Otto Waalkes). Die Voraussetzungen für Karins Tour zum Klausenberg waren das Gegenteil von gut, die Tage zuvor hat's durchgeregnet, heute sollen Aufhellungen möglich sein (diese Formulierung kenne ich aus früheren Zeiten). Immerhin scheint am Giesinger Bahnhof beim Wegfahren die Sonne, zumindest manchmal.

Am Ziel eingetrudelt, ist dann der erste längere Marsch der zum Parkautomaten, der Platz ist riesig, kein einziges Auto steht da: gibt's den Ausdruck "Undertourism" auch?

Wir steigen auf der anderen Straßenseite auf dem Weg die Waldflanke hinauf - der Steig ist gleichzeitig Karins "Patenkind", es ist ja das Arbeitsgebiet der Bergfreunde, sie will sich zukünftig um diesen Abschnitt kümmern. Wir fangen gleich damit an: alle Ablaufrinnen sind vollgeräumt von Laub und Schotter vom Weg, man sollte sie mal wieder freikratzen. Die Ausrede "wir haben ja kein Werkzeug dabei" gilt nicht, ein paar Knüttel, die man zweckentfremden kann, finden sich am Weg, auch das Handy zur ausführlichen Dokumentation hat heute ja jeder dabei (Bürokratie, Bürokrata). Lediglich die ursprüngliche Absicht, eigentlich ja eine Bergtour machen zu wollen, setzt dem Tatendrang Grenzen, auch geht Brücken reparieren oder erneuern oder umgefallene mächtige Bäume wegsägen über Möglichkeiten und Zuständigkeit des Alpenvereins nun doch ein bisserl hinaus, das schieben wir der Gemeinde zu (Aschau, da wir auf deutschem Staatsgebiet sind). Ob die Wegweiser an sinnvoller Stelle stehen, vielleicht manchmal ganz fehlen oder auch schon mal widersprüchlich sind (die Arbeitsgebiete verschiedener Sektionen grenzen aneinander), kann aber erfaßt werden.

Völlig blind gegenüber dem üppigen Grün und Bunt sollte man aber trotz allem Arbeitseifer nicht werden: Akeleien gibt's in (fast) allen Farben: violett, blau, dunkel- und hellrot, rosa, weiß - vielleicht sind's alles dieselben, nur in unterschiedlichen Phasen; Sterndolden, Knabenkräuter, Tollkirsche, vereinzelt sogar Türkenbunde (aber noch "zu") - und die ersten strahlend roten Walderdbeeren der Saison, deren Leben wird aber leider nur noch kurz sein.

Als der Weg dann so richtig schmal wird und wie ein Tunnel durch den dichten Wald führt, beginnt's nun "endlich" zu schütten (warum nochmal schnell bezeichnet man Irland als "grüne Insel"?); der Regenschirm ist hier im dichten "Tann" nicht das Optimale, aber besser als naß werden dann doch noch. (Wenigstens klagt heute niemand, daß es zu heiß sei - in der nächsten Version der DAV-Hüttenreservierungs-Software wird man, wenn man ein halbes Jahr im voraus die Hütte bestellt, auch, gegen Aufpreis, das Wetter mitbuchen können.) Ein umgestürzter "Urwaldriese" versperrt den Weiterweg: in strömendem Regen, steilem Gelände, auf glitschigem Laub und zwischen dreckigem Buschwerk hindurch können wir ihn umgehen und ihm eine lange Nase drehen, wenn wir ihn schon liegenlassen müssen. Und noch eine gute Tat: wenigstens von einem der unsäglichen (dieser hier besonders) Aufkleber, mit deren Unzahl aktuell die Welt überflutet wird, können wir sie befreien und solchen geistigen Sondermüll dann ordnungsgemäß entsorgen (damit Platz für den nächsten Bullshit frei wird).

Wieder bei Sonne erreichen wir den Abzweig zur Angereralm: wie weiter? Erst mal zu ihr hin und Brotzeit machen, dann weitersehen. Jungkühe (die einzigen Anwesenden) zeigen sich zwar irritiert von unserer Störung ihres Besitzstands, unter dem Dachüberstand können wir uns aber auf den Bierbänken (es sind zwei) niederlassen und dem Tanz der Regengebiete um uns herum (im Moment wenigstens nicht über uns) zusehen, ebenso den vierbeinigen Hausherrinnen, die aber gebührenden Abstand einhalten. Eine beißt sich dauernd in den Schwanz (vielleicht juckt's), ich dachte, das machen nur Schlangen (Achtung Kalauer), die andere schlenkert ihre Zunge durch die Gegend wie die Angel beim Fliegenfischen. 10 Grad zeigt das Thermometer - immerhin plus.

Als wir praktischerweise gerade geendet haben, serviert der Himmel "zum Nachtisch" Graupel, das ist aber gleich wieder vorbei. Wir haben uns jetzt entschlossen, nur noch die kurze Runde im unmittelbaren Bereich der Alm abzugehen, auf das letzte Stück zum Klausenberg aber zu verzichten (ja wenn's wenigstens ein Dreitausender wäre), somit auch den momentanen Grad der Vergammelung der früheren Klausenhütte (österreichisches Staatsgebiet) nicht mehr zu erfahren. Beim nächsten Besuch ist sie vielleicht ganz eingefallen.

Im Abstieg auf dem Anstiegsweg gibt's erst länger Sonne, das später zu vernehmende Rauschen in den Blättern verursacht erst der Wind, danach der neuerliche Starkregen, dabei war doch der Schirm gerade so schön trocken. Noch nicht einmal Feuersalamander sehen wir - außer auf dem Warnschild (nicht ganz der StVO entsprechend, aber hoffentlich wirksam). Wieder aufhören tut's erst eine Minute vor dem Auto, so können wir wenigstens unbehelligt unsere Schuhe wechseln.


Im Café in Aschau dann genießen wir Kuchen und Ausblick aufs Schloß Hohenaschau bei allen Wetterstimmungen; kaum sitzen wir danach im Auto, duscht's schon wieder los - das Wetter geht eben mit der Zeit und orientiert sich am Politikstil des US-Präsidenten. Am Wochenende soll der Sommer zurückkommen - schaugn mer amoi, dann sehgn mer scho.

Nachtrag: Er kam zurück: