© DAV/Hans Herbig

Wandern mit Kindern

So klappt Wandern und Bergsteigen mit Kindern

Kinder brauchen keinen Gipfel. Sie suchen stattdessen spannende Abenteuer und Geheimnisvolles in den Bergen. Begegnungen mit Tieren und Pflanzen sind eindrucksvoll für sie; Wasser lädt immer zum Spielen ein. Besonders spannend wiederum kann für Kinder eine Übernachtung auf einer einfachen Hütte in den Bergen sein.

Wer sich als Erwachsener auf die kindliche Erlebniswelt ein- und sich von der Fantasie und Entdeckerlust der Kinder mitreißen lässt, wird ähnlich viel Freude wie die Kleinen haben.

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Die Tour den Kindern anpassen

Entscheidend für eine gelungene Familienwanderung ist eine sorgfältige Planung: Alter und Leistungsfähigkeit der Kinder geben vor, welche Strecke und wie viele Höhenmeter passend sind. Ebenso wichtig ist eine abwechslungsreiche Streckenführung, denn spannende Pfade, kleine Bachläufe, die sich zum Spielen eignen oder Tiere auf der Alm begeistern deutlich mehr als lange, monotone Forstwege. Die Tour sollte nur so schwierig sein, dass die erwachsenen Begleitpersonen genügend Reserven für Aufsicht, Unterstützung und Betreuung der Kinder behalten und nicht selbst durch die Tour stark beansprucht werden. 

Nicht immer muss es der große Urlaub in den Alpen sein. Auch spontane Tagesausflüge oder Wochenendtouren bieten unvergessliche Naturerlebnisse. Wanderungen im Mittelgebirge, ein Besuch im Klettergarten oder ein Picknick am Bach lassen sich oft direkt vor der Haustür oder bequem mit Bus und Bahn erreichen. Im Tourenportal alpenvereinaktiv.com finden Familien zahlreiche Tourenvorschläge – nicht nur in den Alpen, sondern in ganz Deutschland und den Nachbarländern. Mit dem Filter „familienfreundlich“ lassen sich passende Touren schnell finden. 

Planung

  • Können: Gehzeit und Schwierigkeit des Weges müssen dem Alter und Leistungsvermögen der Kinder entsprechen.
  • Bedürfnisse: Kinder brauchen auch bei Bergtouren genügend Pausen bzw. Spiel- und Freizeit, um sich zu erholen.
  • Erlebnisse: Wandern und Bergsteigen mit Kindern bedeutet, sich Zeit zu nehmen fürs Entdecken, Erleben und Beobachten.
  • Selbstbestimmung: Kinder wollen an der Planung und Durchführung der Tour beteiligt werden – natürlich entsprechend ihrem Alter.

Checkliste Ausrüstung allgemein

  • Reichlich Getränke: Kinder haben einen hohen Flüssigkeitsbedarf, weshalb sie häufig und viel trinken sollten (mindestens 1–2 Liter pro Tag).
  • Gesundes Essen: Was im Tal gesund ist und schmeckt, ist auch für die Bergtour geeignet. Ideal sind Obst, Müsliriegel, Käse- oder Wurstbrote; Süßigkeiten nur als kleines Extra.
  • Eigener Rucksack: Viele Kinder wollen ihre wichtigsten Utensilien selbst tragen – Kuscheltier, Trinkflasche, kleine Brotzeit, Fundstücke. Der bepackte Rucksack sollte dabei maximal zehn Prozent des Kindergewichts wiegen.
  • Sonnenschutz wie Creme (mind. Lichtschutzfaktor 30), Hut, Brille nicht vergessen.
  • Ist die Rucksackapotheke vollständig? Zusätzlich zum regulären Erste-Hilfe-Set sollten ausreichend Pflaster sowie Gel für Hautabschürfungen bzw. Mückenstiche dabei sein.
  • Ein Insektenspray hilft gegen Mücken und kann Zeckenbissen vorbeugen.
  • Kartenspiele sind der perfekte Zeitvertreib für die Anreise oder entspannte Stunden auf der Hütte.
  • Stirnlampe und evtl. Taschenmesser für Obst, Snacks etc.
  • Erste-Hilfe-Set für Notfälle.
  • Müllbeutel.
  • Powerbank & Handy für das Melden von Notfällen (Europaweit: Tel. 112).

Gehzeiten uns Pausen

  • Schon im Kleinkindalter (1 – 3 Jahre), sobald die Kinder alleine stabil sitzen können, können sie in der Kinderkraxe auf Wanderungen mitgenommen werden. Wichtig ist hier, vor Auskühlung oder Überhitzung zu schützen und häufige Pausen zu machen, in denen sie sich frei bewegen können.
  • Im Kindergartenalter (3 – 6 Jahre) sollte die Länge der Tour drei bis vier Stunden Gehzeit nicht überschreiten. Bergsteigerische Unternehmungen sollten dabei spielerisch gestaltet werden. Über längere Passagen ausgesetzte und absturzgefährdete Wege sollten unbedingt vermieden werden.
  • Im frühen Schulkindalter (6 – 10 Jahre) können die erforderliche Ausdauer und Kondition allmählich gesteigert werden. Bei entsprechenden Pausen sind Gehzeiten bis zu fünf Stunden möglich, auch steilere Wege oder mehrere „Kraxelstellen“ sind unproblematisch – die entsprechenden Hilfestellungen und Sicherungskenntnisse vorausgesetzt.
  • Ein spätes Schulkindalter (10 – 14 Jahre) lässt abermals anspruchsvollere Ziele zu: Die Kinder verfügen oft bereits über eine gute Ausdauer, sie bewegen sich harmonischer und ihr Körper ist kräftiger. Gehzeiten sollten dennoch maximal sechs bis sieben Stunden betragen.
© DAV/Hans Herbig
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Familienabenteuer in der Natur

Um am Leben zu wachsen, müssen Kinder die Welt begreifen. Sie müssen sich in der Natur frei bewegen können, sich auspowern dürfen, mutig und selbstwirksam sein. Warum die Natur? Weil sie ein wichtiger Erfahrungsraum für die kindliche Entwicklung ist. An keinem anderen Ort lernen Kinder besser für ihr Leben. In der Natur wird nicht nur die Motorik und Sensorik geschult, auch soziale, kognitive und emotionale Fähigkeiten werden entwickelt.

Mehrere Wandere mit Regenklamotten | © Lena Behrendes
© Lena Behrendes

Regenwetter ist kein Grund, um zu Hause zu bleiben! Gut ausgerüstet mit Regenhose, Regenjacke und Gummistiefel geht es raus ins Freie. Im nahegelegenen Park, im Wald oder im eigenen Garten gibt es im Regen viel zu erleben: Wer kann die meisten Regentropfen sammeln?

So geht's:

  • Alle bekommen einen Becher und müssen so viele Tropfen wie möglich auffangen. Die Zeit wird gestoppt.
  • Wer nach fünf Minuten (Zeit variabel) das meiste Wasser im Becher hat, hat gewonnen.
  • Ihr könnt das Spiel variieren, indem die Kinder vorher schätzen müssen, wie viel Wasser sie sammeln können. Wer am besten geschätzt hat, gewinnt.

Tipp: Ein Tag draußen bei Regenwetter ist ein Erlebnis für alle Sinne: Schaut den Regenwürmern zu, die sich auf dem Boden winden. Lauscht den prasselnden Tropfen und spürt das Wasser spritzen, wenn ihr in Pfützen springt. Riecht die frische Luft, sie ist vom Regen sauber gewaschen.

Ein Kind sitzt auf einem Felsen und wartet | © PantherMedia / Herby Meseritsch
© PantherMedia / Herby Meseritsch

Die menschliche Nase ist ein wahres Supertalent: Sie kann mehrere Millionen Gerüche unterscheiden. Noch bevor wir etwas Gefährliches hören oder sehen, warnt uns unsere Nase z.B. vor Feuer, Rauch oder verdorbenen Lebensmitteln. Was könnte es also Schöneres geben, als sich ins Natur-Labor zu begeben und unser Supertalent auf die Probe zu stellen?

So geht's:

  • Ab in den Wald oder Park und spannende Untersuchungsobjekte sammeln, z.B. Tannenzapfen, Bärlauch, Gänseblümchen oder Löwenzahn, etwas Moos, eine Handvoll Erde, eine Baumrinde, Wildkräuter.
  • Jedes Objekt kommt in einen separaten Briefumschlag oder einen kleinen Behälter.
  • Nun werden die Augen verbunden.
  • Und los geht’s mit dem Ratespaß!
Drei Kinder zeigen vergnügt ihre schmutzigen Hände in die Kamera | © DAV / Birgit Gelder
© DAV / Birgit Gelder

Kinder stehen auf Matsch, er zieht sie magisch an. Egal ob in der Hand, im Topf, ob als Kugel oder als Brei – Matsch und Kinder gehören zusammen. Denn Matsch ist mehr als nur Dreck: Er hilft uns, die Umwelt in die Hand zu nehmen, zu formen, zu begreifen.

So geht's:

  • Ein Regentag bietet für die Matschküche optimale Bedingungen: Mit Schälchen, Buddelförmchen, Schaufeln, Kellen und Löffeln geht es los zur nächsten Pfütze, zum Spielplatz oder zum eigenen Sandkasten.
  • Bei trockenem Wetter können auch ein Eimer Wasser und ein Eimer Erde oder Sand verwendet werden.
  • Im Matsch kann man mit den Händen wunderbar herumwerkeln. Man kann Matschhügel auftürmen, Matschkuhlen ausheben und je nach Konsistenz der Erde auch Figuren und Formen bilden.

Tipp: Auch für die Großen gilt: mitmachen! Das freut die Kinder und mal ganz ehrlich: Wann habt ihr das letzte Mal im Matsch gewühlt?

 

Ein Kind mit einem gepflückten Gänseblümchen | © Tina Gauß
© Tina Gauß

Kinder sind kleine Jäger*innen und Sammler*innen. Und lieben Schokolade. Selbst Pralinen herzustellen macht Spaß und ist zudem eine tolle Geschenkidee für Oma oder Opa. Übrigens: Gänseblümchenblüten schmecken leicht nussig und haben 7-mal mehr Vitamin C als Kopfsalat!

So geht's:

Gänseblümchen sammeln. Stiel entfernen.

  • Je nach Vorliebe weiße, dunkle oder Vollmilchschokolade im Wasserbad schmelzen.
  • Die Schokolade in kleine Pralinenförmchen gießen und mit den Gänseblümchenblüten verzieren.
  • Im Kühlschrank hart werden lassen.
Kinderhände, die Herbstlaub, Eicheln und Nüsse zeigen | © Evgeniy Kalinovskiy / Adobe Stock
© Evgeniy Kalinovskiy / Adobe Stock

Kinder sind leidenschaftliche Entdecker*innen und Sammler*innen. Was bietet sich da Besseres an, als eine Schatzsuche zu unternehmen? Das klappt ganz ohne Vorbereitung! Und am Ende ist nicht nur die Schatzkiste prall gefüllt, sondern auch neues Material für den nächsten Bastelnachmittag organisiert.

So geht's

Bevor es raus in die Natur geht, werden gemeinsam die Schätze festgelegt, die es zu finden gilt. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: ein Blatt mit glatten oder gezackten Kanten, grün oder gelb, drei Eicheln, eine Feder, weiße Kieselsteine, ein Stück Baumrinde, etwas Moos oder ein Zweig ohne Blätter, etwas Hartes oder Weiches, den größten Grashalm der Welt …

 

Raus ins echte Leben | © Lisa Behrendes
© Lisa Behrendes

Wenn es im Herbst und Winter früh dunkel wird und draußen überall Laub am Boden liegt, ist die beste Zeit um mit Naturmaterialien zu bauen und basteln. Bunte Blätter, Federn und ähnliche Naturmaterialien sehen toll aus, wenn Kerzenlicht durch sie hindurch fällt.

So geht's:

Für einen Natur-Webrahmen kannst du Zweige mit dünnen Schnüren verbinden und anschließend Blätter und andere Naturmaterialien „einweben“. Oder du steckst dünne Zweige für eine Blätter-Laterne kreisförmig in den Boden und fädelst Blätter auf die Zweige auf. Stelle eine Kerze oder Teelicht in die Mitte. Du kannst auch eine Blätter-Girlande erstellen, indem du die Zweige wellenförmig anordnest. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt ...

 

Die erste Nacht auf einer Hütte

Für viele Kinder gehört eine Hüttenübernachtung zu den schönsten Ferienerlebnissen. Mit der Initiative „Mit Kindern auf Hütten“ zeichnen der Deutsche, Österreichische und Südtiroler Alpenverein mehr als 100 besonders familienfreundliche Hütten aus. Diese Hütten sind in unterschiedliche Altersgruppen aufgeteilt (Babys, ab 3-4 Jahre, ab 7-8 Jahre) – das heißt, die Zustiege sind entsprechend altersgemäß gestaffelt und es gibt je nach Alterskategorie der Hütte eine entsprechende kindgerechte Ausstattung. 

Viele familienfreundliche Hütten sind während der Sommerferien früh ausgebucht. Wer noch spontan eine Hüttenübernachtung plant, findet mit etwas Flexibilität oder über das Tool „Last-Minute-Hüttenbett“ des DAV oft noch freie Schlafplätze. Vor der Tour empfiehlt der DAV, sich über Zustieg, Ausstattung und Verpflegung zu informieren. 

© DAV/Hans Herbig
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Tipps für einen gelungenen Hüttenaufenthalt 

  • Schlafplätze möglichst früh reservieren oder kurzfristig im Last-Minute-Hüttenbett nach freien Plätzen suchen

  • Für Familien mit kleinen Kindern kann ein Zimmer entspannter sein als ein Matratzenlager. 

  • DAV-Ausweis, Hüttenschlafsack, Stirnlampe und Wechselkleidung gehören ins Gepäck.

  • Windeln und anderer Müll müssen wieder mit ins Tal genommen werden.