© Bergfreunde-muenchen WM

DiMiDo Bodenschneid 1668 m

09.02.2026

Wie die Bodenschneid zu neuen Erlebnissen
und Erfahrungen und einem alpinen "Kick" verhelfen kann.

Tourenleitung: Karin Reußwig

Teilnehmer: Horst, Sibylle, Wolfgang, Mirjam, Renate, Reinhard

Bilder: Wolfgang und Reinhard

Text: Reinhard

Eine neue Di-Mi-Do-Tourenleiterin, Karin Reußwig, ist "am Start" (da ist's schon nicht mehr so schlimm, wenn der Idealismus von "alten" Tourenleitern im Lauf der Zeit größere Mottenlöcher abgekriegt hat), und auch gleich mit Neuerungen: die Di-Mi-Do-Tour findet bereits am Montag statt. Die Gründe dafür sind aber andere: die Trauerfeier für unser verdientes Mitglied Ernst Högl am "Di" und das angesagte schlechte Wetter am "Mi" und "Do" - das ganz im Gegensatz zum "Mo". Und der U-Bahn-Streik hätte weitere alpine Schwierigkeiten aufgetürmt.

Sechs Teilnehmer wollten also die Verhältnisse an der Bodenschneid begutachten. In Giesing gab's noch Nebelreißen und Wolkensuppe, auf der ganzen Anfahrt auch, auf dem Parkplatz in Neuhaus (869 m) dann spiegelglattes Eis (zum Schlittschuhfahren sind wir nicht hergekommen), aber praktischerweise auch einen kaputten Parkautomaten (wir waren's nicht).

So konnten wir gleich losgehen, passend zu Olympia begann sozusagen der Eistanz, denn der einzige Ort, wo's noch weiß war (aber nicht von Schnee), war die Straße, rundum packten einen fast eher schon Frühlingsgefühle. Ob die Straße manchmal auch als Rodelbahn fungiert, wissen wir nicht, aktuell wäre es jedenfalls ein Himmelfahrtskommando, apere Abschnitte gab's außerdem. Die "Würfe" beim Eistanz blieben aber aus, mit (oder ohne) Grödeln kamen wir ganz kommod hinauf und beobachteten dabei hochzufrieden, wie die Wolken hinter uns im Tal blieben und einem Himmel von beispielloser Klarheit Platz machten, von keinem Wölkchen oder Kondensstreifen getrübt.

Die Raineralm (1257 m) bildet dann ja schon den Vorposten zu unserem ersten Ziel: eine ausgedehnte Straßenkurve weit oder eine Viertelstunde lang ist es noch bis zum Bodenschneidhaus (1353 m) und der gleich benachbarten Rettenbäckalm.

Nach einer ersten Rast also die Frage: weiter zum Gipfel oder nicht? Genauer: den Versuch machen, denn: der Schreiber dieser Zeilen ist ein knappes Jahr vorher auf halber Höhe abgeblitzt, das Gipfelkreuz hat ihn hämisch von oben angegrinst, ohne Steigeisen wäre nix gegangen in dem knochenharten "Hund" von damals, einmal Wegrutschen, und man hätte den "Schnellabstieg" zurück zum Haus genommen.

Wir gehen also zunächst mal zum Hang hin, der von Fuß- und Skispuren übersät ist (letztere eher schon etwas älter), und entscheiden uns dann für eine Fußspur, die ziemlich direkt, also "in Fallinie mit Variationen", die Flanke emporführt; Motto: wenn's nicht mehr geht, kehren wir halt um. Es geht aber: der Schnee ist gut griffig, keineswegs so widerwärtig wie damals und mit (oder ohne) Grödeln gut zu bewältigen, manchmal sind die Schritte etwas weit (der, der sie gemacht hat, ist abgestiegen, und selbst zu spuren muß nicht zwingend sein). Auch kann man manchmal in die Skispuren ausweichen - ja, ja, ich weiß schon (habe selber genug Skitouren gemacht), als Fußgänger geht man nicht in der Skispur, aber a) wir sind gar nicht eingesunken und b) aktuell auf Ski hochzugehen wäre zwar vorstellbar, auf ihnen hinabzufahren aber nicht: Fachkreise nennen diese Schneeart, hart noch dazu, gerne Kartoffelacker.

Jedenfalls: alle sind mit hinaufgegangen, keiner hat aus Furcht (oder anderen Gründen) aufgegeben. Über einige letzte Eisplatten ist dann der Gipfel (1668 m) gleich erreicht; ein paar alte Wächten haben sich auf seinem Grat noch erhalten, aber auf der Skiroute von gegenüber herauf liegt keine einzige Flocke Schnee. Den gewaltigen Ausblick haben wir zunächst ganz für uns: der Glockner "mag" zwar nicht (das Hintere Sonnwendjoch verdeckt ihn), aber den Venediger gibt's ja auch noch, die Zillertaler, und, und, und. Gleich neben uns sind Wallberg, Setzberg, Risserkogel und Co., im "Mittelgrund" Schinder und Guffert. Die Karwendel-Ketten führen auf die Zugspitze zu, die Alpspitze wirkt fast "mickrig", und, ach ja, hinter und unter uns liegt der "Lago di Bonzo" (für Nicht-Italiener: Tegernsee), den der Schlier- und der Spitzingsee zum "Drei-Seen-Blick" ergänzen.

Hinab führt nach den ersten Metern des unmittelbaren Gipfelabstiegs dann der gut gespurte Wanderweg (wenn schon nicht geräumt oder ausgeschaufelt), hätten wir's von unten schon gewußt ... Aber dann hätten wir ja unseren alpinen Touch nicht gehabt, und wenn ich alles schon vorher weiß, brauche ich nicht mehr loszugehen, sondern kann meine Tour inter-"aktiv" machen, im Home-Office sozusagen.

Im Haus gibt's dann - für alle, die das fiese Eis unmittelbar vor der Eingangstür ohne Hinknallen überwinden können - Essen, Trinken, Kuchen, was man will, nur keinen Massenauflauf; als es sich in den Schatten zurückzieht, kommen auch unsere Sonnenanbeter herein, genug Vitamin D getankt für heute. Wir steigen ab wie gekommen, tauchen später wieder im Nebel unter und können so auch noch an der Stimmung teilhaben, die das Flachland den ganzen Tag hatte.

Danke an Karin für Auswahl (von Datum und Ziel), Organisation und Durchführung, auch "Alltägliches" wie die Bodenschneid kann zu neuen Erlebnissen und Erfahrungen und einem alpinen "Kick" verhelfen (und es müssen ja nicht "immer" Ortler oder Mont Blanc sein - kleiner Scherz). "Einstand" gelungen, wir sind schon gespannt auf Kommendes!